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Filmfestivals
27.10.2005 14:18
Narziss und Grenzöffnung
Ungarische Filme dominieren das Programm beim FilmFestival Cottbus 2005
Filmfans haben jetzt die Qual der Wahl, denn gestern hat Roland Rust, Direktor des FilmFestival Cottbus, das Programm des 15. Festivals des osteuropäischen Films vorgestellt. Vom 8. bis 12. November werden in der Stadthalle, der Kammerbühne, im Obenkino und im Weltspiegel über 100 Spiel-, Kurz-, Kinder- und Dokumentarfilme aus 29 Ländern gezeigt. Alle Beiträge zu sehen, ist unmöglich, eine Vorauswahl daher geraten. Als Hilfe nennt die RUNDSCHAU einige Kino-Höhepunkte.
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Viele der in Cottbus vorgestellten Filme sind das erste Mal in Deutschland zu sehen, darunter international preisgekrönte Arbeiten. Im Fokus des diesjährigen Filmfestivals steht Ungarn mit 30 Beiträgen. Dazu gehört der Klassiker Narziss und Psyche (1980) von Gábor Bódy. Er wird, wie Festivaldirektor Roland Rust mitteilte, in der 302-minütigen XXL-Fassung gezeigt. Das Hauptaugenmerk liege allerdings auf dem neuen ungarischen Kino. Spannende, sehr heutige Geschichten und eine eigene Bildsprache von besonderer Opulenz, verspricht Roland Rust den Zuschauern. Ungarn sei das führende Filmland Osteuropas.

Im mit 15 000 Euro Preisgeld dotierten Wettbewerb der Kategorie Spielfilm kämpfen zehn Filme aus acht osteuropäischen Ländern um die Lubina. Ungarn ist mit zwei Beiträgen vertreten. Johanna (2005) von Kornél Mundruczó handelt von einer Drogensüchtigen, die unter Einsatz ihres Körpers zur Wunderheilerin wird – eine kuriose Mischung aus Jeanne-d’Arc-Drama und Horrorkino, bei dem alle Dialoge gesungen werden. Péter Bergendys Stoppt Mutter Teresa (2004) dagegen gilt als der erste ungarische Film über die Nöte moderner Singles.

Außerhalb des Wettbewerbs läuft mit Péter Timárs Zuckerpuppe (1996) der erfolgreichste ungarische Kinokassenschlager der 1990er-Jahre, ein Musikfilm im Retro-Stil, der die frühe Kádár-Ära parodiert.

Reges Interesse von deutscher Seite erwartet Roland Rust für zwei ungarische Dokumentarfilme, die die dramatischen Erlebnisse von DDR-Flüchtlingen im Jahr 1989 zeigen. In Langer Weg zurück in die Heimat (1989) ist Regisseur Ferenc Tolvay mit einer Gruppe unterwegs, die einen Massendurchbruch plant. Er begleitet den Konvoi bis zur Grenze und verfolgt minutiös die Vorbereitung und Ausführung der Flucht. In Von Berlin nach Berlin (1989/90) von Ibolya Fekete schildern drei junge Leute, wie sie nach mehrfachen Versuchen und Verhaftungen mithilfe eines Pfarrers über die Grenze gekommen sind. Wegen eines Todesfalls, so die Festival-Veranstalter, werde der ungarische Autor György Konrad voraussichtlich leider nicht nach Cottbus kommen. Konrad hatte das Patronat für den Fokus Ungarn beim FilmFestival 2005 übernommen. Zum Auftakt des Festivals soll dessen Ehrenpräsident, der ungarische Regisseur und Oscar-Preisträger István Szabo, mit dem Preis „Lubina“ geehrt werden.

Service

Rund ums Festival

Alle Wettbewerbsfilme in der Kategorie Spielfilm werden zunächst in der Cottbuser Stadthalle gezeigt, am Folgetag jedoch in einer der anderen Spielstätten wiederholt – gut zu wissen, falls eine Vorstellung verpasst wurde. Karten kosten zwischen 2,80 Euro (ermäßigt) und sechs Euro, wobei sie im Vorverkauf in der Stadthalle grundsätzlich etwas günstiger sind. Das Coffeelatte am Altmarkt ist offizieller Festivalclub, in dem nach dem Kinobesuch über die Filme diskutiert werden kann. Deshalb verlängert es während des Festivals die Öffnungszeiten bis ein Uhr.

Alle Infos wie Spieltage und Adressen unter: www.filmfestivalcottbus.de

Von Felix Krömer

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