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Filmfestivals
03.12.2006 21:14
Cottbuser Filmfestival: Starker Jahrgang
Keine leichte Wahl für die Jury / Ungarn als "Fokus"-Land 2005 hinterlässt schon einen viel versprechenden Eindruck
Das Cottbuser Filmfestival ist wieder bei sich. Es hat im vergangenen Jahr – vielleicht aus Furcht vor der verflixten 13. Auflage – ein Fest der Superlative gegeben, Rekorde in nahezu allen denkbaren Kategorien: eine bis dahin nicht gekannte, kaum noch überschaubare Zahl an Veranstaltungen, Zuschauern und Preisen. Allerdings auch eine schier endlos währende Preisverleihungs-Zeremonie.
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Diesmal ging die Abschlussveranstaltung recht flott über die Bühne, da sich die Riege der wichtigen Redner in Grenzen hielt. Gelungen ist auch das Film-Projekt "Visions of Europe" des Dänen Lars von Trier, der Regisseure aus den 25 EU-Staaten dazu bewegte, fünfminütige Kurzspielfilme über ihre Länder zu drehen. Acht dieser Beiträge wurden zur Abschlussveranstaltung des Festivals am 6. November in der Stadthalle Cottbus gezeigt – so stellten sich die acht neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsländer auf zumeist sehr pfiffige und pointierte Weise vor. Dieser Abschluss versöhnte mit dem eher langatmigen Projekt "Europes New Old Faces/Von den Sockeln", das zur Festival-Eröffnung vorgestellt wurde.

Das Cottbuser Filmfestival gibt sich inzwischen eine weltmännische Anmutung, die Zahl der Förderer, Partner und Sponsoren ist ja stetig gewachsen. Dann sollte es allerdings auch gelingen, eine Preisverleihung ohne größere technische Pannen zu organisieren. Das gilt auch für die Vorführungen während des Festivals.

Neu war in diesem Jahr das von Studenten der Brandenburgischen Technischen Universität entworfene Wegeleitsystem: ein blaues Band aus Farbe und Licht als Orientierung für die Festivalgäste in der Stadt. Das sah bei der Präsentation gewaltiger aus als in der Umsetzung, ist aber ein feiner Ansatz.

Die Zuschauerzahl scheint sich einzupegeln. 15 000 wurden im Jahr 2003 gezählt, diesmal 14 800. Das ist ein gutes Maß, man muss nicht mehr auf Rekordjagd gehen. Das Festival ist etabliert, es hat einen guten internationalen Ruf, es kann sich jetzt immer stärker auf Inhalte konzentrieren.

Und das war in diesem Jahr schon zu sehen. Selten zuvor dürfte es der Jury so schwergefallen sein, die Preise zuzusprechen. Es war ein sehr starker Jahrgang. Gewonnen hat "Schizo" (Schiza), eine Koproduktion Russlands mit Kasachstan, Frankreich und Deutschland, die Geschichte eines 15-jährigen Außenseiters an der hohen Schwelle zum Erwachsenwerden. Regisseurin Guka Omarowa war nicht in Cottbus, und so nahm an ihrer Statt ihr Moskauer Kollege Andrej Swjaginzew die Preisskulptur "Ljubina" entgegen. Der Regisseur holte somit nach, was er im vergangenen Jahr versäumte. Da konnte er nicht in Cottbus sein, als sein Film "Die Rückkehr" (Woswraschtschenije) einen der Hauptpreise gewann. "Die Rückkehr" war diesmal erneut in Cottbus zu sehen, Swjaginzew selbst ist in der Lausitz auf Location-Suche für ein neues Projekt gewesen.

"Eine wunderbare Nacht in Split" (Ta divna splitska noc) des Kroaten Arsen Ostojic bekam den Spezialpreis für eine künstlerisch herausragende Einzelleistung, auch das ist eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. Der schwarz-weiße Episodenfilm hat seine deutsche Erstaufführung glänzend bestanden. Der zweite Preis für "Schlaflos" (Somnambuul) von Sulev Keedus allerdings scheint eine Verbeugung der Jury vor dem kleinen Filmland Estland zu sein. Dieser Streifen ist sicher eine notwendige und geradezu schmerzhafte Aufarbeitung estnischer Unterdrückungsgeschichte, dass er aber in der künstlerischen Bewertung so weit vorn rangiert, war nicht unbedingt zu erwarten.

"Es ist schön, heute ein Ungar zu sein", sagte Géza Csákvári, Mitglied der Fipresci-Jury, bei der Preisverleihung, denn er nahm anstelle der abwesenden Regisseure die Preise für Barnabás Tóths Kurzspielfilm "Im Zug" (Vonaton) und Antal Nimróds Spielfilm "Kontrolle" (Kontroll) entgegen. Letzterer gewann auch den von der RUNDSCHAU gestifteten Publikumspreis. Beide Produktionen haben interessanterweise Züge als wichtige "Darsteller", eine Metapher für den ungarischen Film, der gut unterwegs ist.

Festival-Chef Roland Rust: "Wie kein anderes Kino Osteuropas ist der ungarische Film von Kreativität und künstlerischer Innovation gekennzeichnet. Auf der Grundlage der jüngst geschaffenen Filmgesetzgebung, die im gesamten osteuropäischen Raum bisher einzigartig ist, eröffnen sich in Ungarn viel versprechende Perspektiven für Investoren und Koproduktionen aus dem Ausland. " Ungarn wird beim 15. Festival 2005 der Länderschwerpunkt sein.

Die Preisträger:

  • Der Film «Schiza» war Gewinner des 14. Cottbuser Filmfestivals. Für ihren Spielfilm erhielt die kasachische Regisseurin Guka Omarowa die mit 12 000 Euro dotierte Preisskulptur «Lubina». Die Koproduktion aus Russland, Kasachstan, Frankreich und Deutschland erzählt die ersten Liebeserlebnisse eines schizophrenen 15-jährigen Jungen.
  • Der Spezialpreis für die beste Regie ging an Sulev Keedus für die estnisch-finnische Koproduktion «Somnambuul».
  • Für eine herausragende künstlerische Einzelleistung wurd der kroatische Beitrag «Ta Divna Splitska Noc» von Arsen Anton Ostojic geehrt.
  • Eine lobende Erwähnung erhielt der polnische Film «Wesele« von Wojtek Smarzowski.
  • In der Kategorie Kurzfilme ging der Hauptpreis an den ebenfalls polnischen Film «Jestes Tam» von Anna Kazejak.

Im Internet:

www.filmfestival-cottbus.de

 

Von Peter Blochwitz / LR

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