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| Filmemacher |
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| 06.12.2004 12:14 |
| Kirchhainer will Hollywood Konkurrenz machen |
| Ralph Brosche gründet in London eine Film-Produktionsfirma |
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| Am Anfang war "20 000 Meilen unter dem Meer". Als Kind sah Ralph Brosche den Film mit seinem Vater in den Kammerlichtspielen in Doberlug-Kirchhain. Die Faszination, Welten für die Leinwand entstehen lassen zu können, hatte ihn angesteckt. Heute schickt er als Filmproduzent selbst Kinobesucher auf die Reise in seine Filmwelten. In London hat er gerade die Produktionsfirma cinebros Ltd. gegründet, um im internationalen Filmgeschäft mitzumischen. Sein Name steht in der Fachwelt für Kino-Streifen wie "Coming Out", "Der bewegte Mann", "Terror 2000" oder "Lola rennt".
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| Von Doberlug-Kirchhain nach London: Ralph Brosche sieht in Zukunft gute Chancen für deutsch-kanadische Koproduktionen: "Kanada sucht Partner, um sich im amerikanischen Film-Markt gegenüber den USA zu behaupten". |
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Schon 1972 sah er auf Motive lauernd durch den Sucher einer "Pouva-Start". "Zum zehnten Geburtstag bekam ich diesen einfachen Foto-Apparat von meiner Tante geschenkt", erinnert sich Ralph Brosche, der heute mit seinem schmalen Kinnbart Peter Gabriel ähnlich sieht. Kameramann wollte er werden. Doch erst nach einer Elektriker-Lehre in Trattendorf bei Spremberg lernte er während seiner Armeezeit Leute vom Film kennen.
Kurze Zeit später arbeitete der Kirchhainer als Tonassistent bei der Defa in Babelsberg. "Das war unglaublich. Alles atmete Tradition", sagt er heute. "Da waren noch Leute, die haben Filmtricks bei Münchhausen (mit Hans Albers, 1942) gemacht." Nur die Potsdamer Filmhochschule blieb für Ralph Brosche, der lieber Kamera und Regie führen wollte, verschlossen. Heute arbeitet er selbst als Gast-Dozent in Filmschulen.
So machte der Kirchhainer praktisch weiter und schaffte "meinen ersten Meilenstein", wie er im Rückblick sagt. Für "Coming Out" arbeitete er 1988 unter der Regie von Heiner Carow ("Die Legende von Paul und Paula") in der Aufnahmeleitung: "Da habe ich sehr viel gelernt."
Nach der Wende sein zweiter Meilenstein in der "Schlingensief-Familie", wie Ralph Brosche den Dunstkreis um Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief nennt. An "organisiertes, zielorientiertes und kreatives Chaos" erinnert sich der Film-Mann. In Simbabwe landete er 1996 als Herstellungsleiter und Regieassistent von "United Trash" (mit Udo Kier und Kitten Natividad) kurzzeitig mit Provokateur Schlingensief im Knast. "Ich hatte einfach nur Schiss. Uns hatten Leute mit Revolver beschattet", erinnert sich Brosche. Der Staatssicherheitsdienst CIO warf der bunten Truppe vor, einen rassistischen und pornographischen Film zu drehen. "Das stimmte natürlich nicht", stellt er klar. Nur mit Hilfe des deutschen Botschafters kamen Filmemacher und Filmmaterial damals aus dem Land. Der durchgeknallte Streifen ist bis heute ein Geheimtipp für viele Filmfans. "Meine Mutter findet United Trash allerdings nicht so toll", gibt Brosche zu. Mit Tom Tykwer gelang dem Kirchhainer als Produktionsleiter 1998 der ganz große Wurf: "Lola rennt" wurde zu einem der erfolgreichsten Kinofilme der Neunziger und mit Preisen überschüttet. "Wir merkten beim Drehen, dass hier was besonderes passiert, wobei ich das manches Mal dachte", sagt Ralph Brosche und lacht.
An mehr als 50 Film- und Fernsehproduktionen hat er inzwischen mitgewirkt. Mit Mika Kaurismäki arbeitete er an der Vorproduktion von "Honey Baby", laut dem finnischen Kultregisseur eine "Magical Mystery Tour von Deutschland nach Murmansk". Im Herbst soll der Film in die Kinos kommen. Derzeit ist der "Teamarbeiter", wie sich Brosche selbst nennt, wieder auf dem Sprung. In Ljubljana dreht er mit Regisseur Mike Figgis ("Leaving Las Vegas") und 16 Talenten einer Meister-Klasse der European Film Academy einen Film in acht Tagen. "Das wird ein Knaller", ist Brosche schon jetzt überzeugt.
2005 will der Kirchhainer die erste Kino-Produktion auf eigene Kappe schaffen. Mit der cinebros Ltd. hat er gerade in London eine Firma gegründet, "um international Filme zu produzieren und zu finanzieren". Zwei Drehbücher warten auf ihre Umsetzung. "Eine Geschichte über eine Jugend in der Wendezeit und eine Teeny-Action-Story über virtuelle Realität, die in der Zukunft spielt", verrät der Film-Mann. Im Kino seiner Kindertage werden diese Streifen allerdings nicht mehr laufen. Nach der Wende schlossen die Kirchhainer Kammerlichtspiele für immer ihre Türen.
Mehr Infos unter: www.imbd.com, www.europeanfilmacademy.org |
| Von Jan Selmons / LR |
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